Haben wir Deflation oder Inflation in den nächsten Jahren? Fontgröße
db1sb schreibt um 06:33:32 am 14.02.2009 PM | antworten

Selten waren die Finanzexperten so uneins darüber, in welcher Preis-Phase sich die derzeitige Weltwirtschaft befindet. Einigheit herrscht inzwischen darüber, dass wir uns in einer Rezession befinden.

 

Was tun die Notenbanken? Sie lockern die Geldpolitik und kaufen Schuldtitel in Billionenhöhe gegen frisch gedrucktes Geld zu fast 0% Zinsen. Eigentlich sollte diese Ausweitung der Geldmenge zu einer gewaltigen Inflation führen, aber wir sehen Deflation. Wie passt das zusammen?

 

Um das zu verstehen, muß man wissen, dass Kapital anlagewirksam oder nachfragewirksam werden kann. Soll sich Kapital vermehren, dann legt man es an - und zwar dort, wo die meisten Zinsen gezahlt werden oder die höchsten Renditen winken. Da sich das Kapital (nach einigen Jahrzehnten Monopoly) wieder in der Hand einiger weniger Kapitalisten befindet, kann es eigentlich nur anlage- bzw. investitionswirksam werden - ein Milliardär kann es unmöglich verkonsumieren. So haben wir momentan ein Überangebot an Kapital, das auf wenig Nachfrage (Neuverschuldung) trifft. Nach den Regeln der Marktwirtschaft sinkt deshalb der Zins. Japan zeigt uns, dass solch ein deflationärer Zustand jahrzehntelang andauern kann.

 

Die Frage ist nun, ob dieses vagabundierende Kapital jemals nachfragewirksam auf die in der Rezession stillgelegten Produktionskapazitäten herabregnen kann. Ohne Vollbeschäftigung mit ausufernden Löhnen kann ich mir das nicht vorstellen. Woher soll die Kaufkraft denn kommen, wenn der Durchschnittsamerikaner mit 360.000 US$ verschuldet ist und der Durchschnittsdeutsche mit 100.000 EUR? Nein, solange sich das ganze Geld in den Händen einer Minderheit  befindet, sind wir von einer Hyperinflation weit entfernt. Eher wird es zu blutigen Unruhen des Prekariats kommen, um diese Ungleichverteilung aufzubrechen, als zu einer massiven Verteuerung der Lebenshaltung. Eine solche würde außerdem die Demokratie auf das Äußerste gefährden und dürfte wohl von der herrschenden Klasse verhindert werden.

 

Womit wir wohl rechnen sollten, sind neue Blasen im Onlinekasino der Kapitalisten (Aktien- und Rohstoffmärkten, Kunstauktionen, Immobilien etc.).  Das ist nicht weiter schlimm, da es sich hier nur um Spielgeld handelt.  Bedenklich ist einzig, dass sich inzwischen auch Pensionsfonds in dieser Spielhölle tummeln und schon Teile der zukünftigen Rente der Arbeiter- und Angestelltenklasse verzockt haben. Diesem Treiben muß schleunigst Einhalt geboten werden, sonst könnte die Friedfertigkeit der Bürger auf eine harte Probe gestellt werden.  

ADMIN schreibt um 21:14:03 am 12.04.2009 PM | antworten
Wirtschaftsweiser widerspricht Steinbrücks Inflationsthese (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,618685,00.html) stützt oben skizzierte Erwartung.




Beitrag kommentieren
markierte Stelle 'fett' schreiben markierte Stelle 'kursiv' schreiben markierte Stelle unterstreichen markierte Stelle als Böbbel-Liste formatieren markierte Stelle als numerierte Liste formatieren markierte Stelle herausrücken markierte Stelle einrücken Link einfügen Bild einfügen Undo Redo Bilder hochladen  Einloggen  Ausloggen  Registrieren
   
Seite bookmarken bei:
del.icio.us Mister Wong Folkd OneView Linkarena Google Yahoo MyWeb BlinkList Furl YiGG
 
[Impressum | Datenschutzerklärung]