Geld, Währungen und Staatsbankrott Fontgröße
db1sb schreibt um 15:58:15 am 26.10.2008 PM | antworten

Was ist Geld?

 

Dumme Frage, gell? Aber wissen Sie es wirklich?

 

Geld ist ein Schuldschein!

 

Glauben Sie nicht? Angenommen, ich schneide Ihnen die Haare, dann würde ich erwarten, dass Sie mir später mal die Haare schneiden werden. Sie wissen ja, eine Hand wäscht die andere. Damit wir das nicht vergessen, könnten Sie mir einen Schuldschein geben, mit dem ich zu gegebener Zeit Sie wieder besuche und Sie mir die Haare schneiden.

 

Die modernere Variante wäre, dass Sie mir ein Stück Papier mit 10 EUR Aufdruck geben und ich Ihnen dieses wieder gebe, wenn Sie mir die Haare schneiden sollten. Oder ich gehe zu einem anderen Frisör und gebe ihm den Schein. Geld ist im Grunde also ganz praktisch.

 

Ohne Schulden gäbe es kein Geld!

 

Angenommen, Sie möchten ein Haus bauen, haben aber kein Geld. Dann gehen Sie einfach zur Bank und diese gibt Ihnen einen Kredit. Mit dem Geld bezahlen Sie die Handwerker und kaufen Material. Am Ende haben Sie Geld in Umlauf gebracht und ein Haus, aber gleichzeitig 300.000 EUR Schulden bei der Bank. Dabei kommt noch eine teuflische Komponente ins Spiel, die Zinsen. Schließlich möchte die Bank etwas verdienen und verlangt z.B. jährlich 5% Zinsen. Für das geliehene Geld müssen Sie also mindestens 15.000 EUR jährlich zahlen, wenn Ihr Schuldenberg jemals abgetragen werden soll.

 

Auch der Staat braucht Geld - für seine Beamten, die Pensionen, die Sozialhilfe, die Infrastruktur etc - und das nicht zu knapp. Das leiht er sich bei der EZB und zahlt dafür Zinsen. Oder er borgt es sich bei seinen Bürgern, indem er Bundesschätzchen ausgibt und dafür Zinsen zahlt. Je mehr die Bürger einem Staat vertrauen, dass er das Geld ihnen auch wieder zurückzahlt, desto weniger Zinsen wird er dafür aufwenden müssen.

 

Wegen der Zinsen erhöht sich die Geldmenge zwangsläufig Jahr für Jahr. Die Geschichte erinnert an ein Schneeballsystem... 

 

Inflation

 

Da der Staat in der Regel erhebliche Steuereinnahmen hat, kann die EZB davon ausgehen, dass er diese zur Zahlung der Zinsen verwenden kann. Deshalb hat die EZB auch immer Geld in der Vergangenheit gedruckt, wenn der Staat es angefordert hat.

 

Nun ist es aber so, dass durch die Zinsen und Zinseszinsen immer mehr Geld in Umlauf kommt. Was aber in Hülle und Fülle vorhanden ist, verliert an Wert. Das ist auch der Grund, weshalb Sie vor 8 Jahren bei Mc Donalds für 5 DM satt wurden, heute aber schon doppelt soviel für das gleiche Spannungsgefühl am Gürtel hinlegen müssen. Doch auch in den Assetklassen, wo die Superreichen sich tummeln, gibt es Inflation. So werden inzwischen Preise für Bilder am Kunstmarkt bezahlt, die einem ungläubig den Mund offen stehen lassen. Wenn unsere Manager dann auch noch Gehälter von den Aufsichtsräten genehmigt bekommen, bei deren Summe die Kinnlade eines Arbeiters gänzlich auf den Brustkorb klappt, dann ist das vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Wirtschaftselite bereits weiß, wie wenig unser Geld tatsächlich wert ist.

 

John Maynard Keynes, der berühmte Wirtschaftswissenschaftler, warnte schon vor fast einem Jahrhundert: „durch einen fortdauernden Prozess der Inflation kann die Regierung heimlich und unbeobachtet einen bedeutsamen Teil des Vermögens der Bürger konfiszieren."

 

Staatsbankrott

 

Sie ahnen vermutlich, weshalb dieser Bericht unter "Erfahrungsberichte" abgelegt ist: Unsere Vorfahren haben nämlich die Erfahrung gemacht, dass jede Währung bei ausufernden Schulden eines Tages wertlos wird. Erst langsam und dann exponentiell schneller. Diese Hyperinflation wird begleitet durch eine Vertrauenskrise in das Geld einer Währung und dessen Regierung. Reichen die laufenden Steuern des Staates eines Tages nicht mehr aus, um wenigstens die Zinsen zu zahlen, wird das System in die Knie gezwungen und muss den Offenbarungseid leisten. Der Staat bekommt keine neuen Kredite mehr und die Währung zerfällt.

  

Ich will noch weiter gehen und behaupten, dass unser weltweites Währungssystem langfristig auf Bankrott angelegt ist. Nennen Sie mir einen Staat, der die Absicht hat, seine Schulden jemals zurückzuzahlen. Es gibt keinen! Einem Privatmann, der sich ständig neu verschuldet, würde man den Tatbestand des betrügerischen Bankrotts unterstellen. Ist es nicht so, dass selbst in Zeiten guter Konjunktur und Steuereinnahmen die Staaten nicht mehr in der Lage sind, eine Neuverschuldung zu vermeiden? Wie schlimm wird es erst werden, wenn die Steuereinnahmen im Falle einer Rezession wegbrechen und Konjunkturprogramme aufgelegt werden müssen?

 

Die USA hat vor einigen Jahren beschlossen, keine Daten mehr zur Geldmenge zu veröffentlichen. Würde ich auch nicht, wenn die Geldpresse in meinem Keller unter Volllast liefe. Aus dieser neuen Welt werden uns noch böse Überraschungen erwarten, darauf können Sie einen trinken oder lassen. Die Fakten kann man hier nachlesen: http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2008/11/us-staatsbankrott-voraus.html

 

Aber weshalb in die Ferne schweifen, wenn der Schuldenturm so nah: Betrugen die deutschen Staatsschulden im Jahr 1950 umgerechnet noch 11 Milliarden Euro, so waren es im Jahr 1970 schon 60 Mrd. Euro. 1990 kletterte die Schuldenlast bereits auf 538,7 Milliarden Euro und im Jahr 2008 wurden 1600 Milliarden Euro erreicht. Addieren wir die jüngste 470-Euro-Milliardenspritze für die deutschen Banken hinzu, so liegen wir bereits im Bereich von 2 Billionen Euro. Und selbst das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: N. Schwarz vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden bezifferte die deutsche Gesamtstaatsverschuldung (also Schulden der Bürger und Firmen dazuaddiert) bereits 2005 auf unvorstellbare 7,5 Billionen Euro. Zum Nachzählen: 7.500.000.000.000 EUR


Nun könnte man meinen, wenn man Zinsen verböte, wäre die Inflation eingedämmt. (So war übrigens den Christen einst untersagt, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Das durften nur die Juden und böse Zungen behaupten, dass die Christen zwar gläubig waren, aber die Juden "Gläubiger" - mit den bekannten Folgen von immer wiederkehrender Verfolgung wegen Neids und Missgunst.) Ist das Geld aber billig oder für lau zu leihen, dann entstehen neue Blasen an den Finanzmärkten. Die Immobilienblase in den USA, Spanien und England ist ja gerade dadurch entstanden, dass man sich günstiger Geld leihen konnte für etwas, das sehr viel schneller im Wert stieg. So haben die Banken zu 100% dort Häuser für Leute finanziert, die sich eine Immobilie eigentlich nicht leisten konnten. Solange die Zinsen niedrig blieben und der Wert der Häuser stieg, war auch alles super gut. Das Zähneklappern kam erst, als die Zinsen stiegen und der Wert der Häuser wieder fiel - doch da waren die Forderungen schon mit Tripel-A-Aufdruck und rosa Schleifchen versehen weltweit als ASB unter den besten Bankadressen verteilt.

 

Als die Banken merkten, welchen Giftmüll man ihnen angedreht hatte, setzte die Kreditkrise ein. Keine Bank traute mehr der anderen und das Interbanken-Kreditgeschäft kam völlig zum Erliegen (Kreditklemme). Zudem vernichtet gerade ein weltweiter Börsencrash die Anlagen vieler Banken und Versicherungen.


Es wäre nun schön, wenn man sein Geld einfach in eine andere Währung tauschen könnte, hinter der ein Staat stünde, der seine Schulden in guten Zeiten wieder kräftig reduziert. Einen solchen Staat gibt es aber nicht! Warum? Weil seine Währung so stark werden würde, dass er keinen Export betreiben könnte. Ohne Export aber kein Handel. So müssen also alle Notenbanken dieser Welt in etwa gleich viel Geld täglich neu in Umlauf bringen (bzw. die jew. Staaten sich neuverschulden), um ein Währungsgleichgewicht zu erhalten.


Das monetäre Perpetuum Mobile


Da die Bevölkerungspyramide in Japan Kopf steht (viele Rentner, wenig Steuerzahler), ging der Konsum immer weiter zurück. Um diesen anzukurbeln hat die Japanische Notenbank die Zinsen im Land auf inzwischen 0.3%(!) gesenkt. Findige Spekulanten nahmen daraufhin Kredite in Yen auf und legten das Geld in den USA zu sehr viel höheren Zinsen an. Da der YEN zum USD in den letzten Jahren sogar etwas schwächer wurde, konnten auch noch Währungsgewinne beim Auflösen der Positionen erzielt werden.

 

In den letzten Monaten aber wurde es brenzlig: Die meisten Spekulanten lösten ihre Positionen in US$ auf und tauschten in YEN, was diesen ungemein stärkte.  Eine starke Währung verteuert aber Exporte. So mußten Toyota und Sony unlängst Gewinnwarnungen ausgeben und haben Entlassungen angekündigt.

Wenn wir uns den Aktienmarkt in Japan anschauen, dann hatte er 1990 seine Spitze erreicht (siehe hier). Damals kam es zu Exzessen am Immobilenmarkt und Tokio war höher bewertet als ganz Kalifornien. Als diese Blase platzte, ging es auch mit den Aktienkursen stetig bergab und alle Bemühungen der Notenbank sind seitdem wirkungslos verpufft.


Wir sehen, Zinsdifferenzen können nur kurzfristig Gewinne generieren. Meist werden sie irgendwann durch Verluste auf der Währungsseite aufgefressen. Es gibt kein System, das einem dauerhaft Gewinn generiert. 


Gold als Alternative?


Es ist sicherlich nicht falsch, sein Vermögen auf verschiedene Assetklassen zu verteilen. Etwas Gold gehört sicherlich auch dazu, aber Gold hat den Nachteil, dass es nicht mehr aus der Welt verschwindet, sobald es gefördert wurde. Und in einer Krise ist noch lange nicht gewährleistet, dass es auch als alternatives Zahlungsmittel akzeptiert wird. Es gab sogar Zeiten im Krieg, da war der Besitz verboten und Zigaretten dienten als Währungsersatz.  


Am wichtigsten erscheint mir ein kleines, verbrauchsarmes Häuslein fürs Alter und ein Grundstück für Tierhaltung (Hühner, Schafe etc.) und Gemüse. Evtl. noch etwas Wald für die Heizung und gut ist. Ob unsere Altersvorsorge in Form von Versicherungen, Aktien und Bargeld der Weisheit letzter Schluss ist weiß ich nicht. Die Zukunft wird es zeigen. Evtl. sind dann Kinder, die einem finanziell unter die Arme greifen, die bessere Alternative!

db1sb schreibt um 10:31:33 am 06.11.2008 PM | antworten

Hyperinflation und Geldmenge

 

Die USA haben inzwischen über 51.000 Milliarden Schulden angehäuft. Über Argentinien und andere defacto-Pleite-Ländern will ich erst gar nicht schreiben. Wie wir gelernt haben, sind auch diese Schulden in Form von Geld in Umlauf. Wieso ist die Inflation bei dieser Summe dann noch so moderat? Ein Grund dürfte sein, dass dieses Geld nicht für den Einkauf von Waren des täglichen Lebens verwendet werden muss. Nehmen Sie einmal an, Sie würden jedes Jahr 10 Mio. EUR verdienen. Wieviel davon würden Sie für Essen, Strom, Heizung und Miete ausgeben? Genau, vergleichsweise wenig. Also können Sie das meiste Geld jemandem zur Vermehrung anvertrauen, z.B. einem Hedge Fonds oder Private Equity Unternehmen. Diesen Markt haben die Banken erkannt und einen Derivatemarkt erschaffen, der mit 600.000 Milliarden Dollar  ca. 800% des weltweiten Bruttosozialprodukt BSP ausmacht. Hierbei geht es um Wetten auf zukünftige Kursentwicklungen etc., also etwas rein Virtuelles. Solange dieses Spielgeld nicht für reale Produkte ausgegeben wird, bleibt die Inflation in Grenzen. Vor diesem Hintergrund ist es positiv, dass die Hedgefonds nun mit dem Rücken an der Wand stehen und das Spielgeld dem Kreislauf wieder entnommen werden kann, siehe http://www.wiwo.de/finanzen/hedgefonds-kaempfen-ums-ueberleben-376064/ 

 

Aber auch Geld, das wir deutschen Bundesbürger auf die hohe Kante legen, wird erst zeitverzögert bei der Entnahme zur Inflation beitragen. Dies sollte man sich vor Augen halten, wenn man über den tatsächlichen Geldwert seiner Kapitallebensversicherungen nachdenkt. Diese werden erst in vielen vielen Jahren ausgezahlt, und dann dürfte eine Summe von 200.000 EUR gerade noch reichen, sich einen kleineren Sportwagen zu kaufen.

 

 

db1sb schreibt um 08:18:15 am 26.11.2008 PM | antworten

Sinkende Zinsen und die Geburt neuer Blasen

 

Alain Greenspan wurde vorgeworfen, dass er die Zinsen zu sehr in der letzten Aktienbaisse gesenkt hätte und für das Entstehen der Hypothekenkreditblase verantwortlich wäre. Momentan versucht unsere Regierung die Rezession in Deutschland abzumildern, indem sie die Zinssätze unter die Inflationsrate senkt. So rentieren heute 1-jährige Finanzierungsschätze mit rekordverdächtig niedrigen 1.85%, 2-jährige mit 2.0%. Für Tagesgeld zahlt Vater Staat gerade mal 2.71% Zinsen.

 

Ich bin mal gespannt, welche Blase dadruch entsteht und ob die Inflationsspirale sich nun schneller zu drehen beginnt.  

ADMIN schreibt um 08:59:57 am 29.11.2008 PM | antworten

7.400 Milliarden US-Dollar, etwa soviel wie die Gesamtschulden der BRD, haben allein US-Regierung und Federal Reserve in den letzten Monaten an Direkthilfen, Kreditgarantien und Liquiditätsinjektionen in den Finanzmarkt gepumpt. Anstatt marode Firmen einfach sterben zu lassen, verschlechtert der Staat selbst seine Bonität, indem er schlechte Bonitäten ankauft. Wer aber eine schlechte Bonität besitzt, muss in der Zukunft hohe Zinsen zahlen.

 

Geschätzte 62 Billionen US-Dollar sind in Form von CDS (Credit Default Swaps) im Umlauf. Die merkwürdige US$-Stärke gegenüber dem EURO wird damit begründet, dass hier bereits erhebliche Transaktionen erforderlich geworden sind, die in US-$ abgewickelt werden. D.h. fremde Währungen werden nun in Dollar getauscht und die erhöhte Nachfrage führt zu dieser beobachteten Stärke. Andere Kreise vermuten, dass Anlagen wieder in die USA repatriiert werden, aber diese Argumentation finde ich wenig einleuchtend da ja auch Gelder von den US-Märken ins Ausland abgezogen werden. In der Summe sollte sich der $ dann nicht groß gegenüber anderen Währungen ändern.

ADMIN schreibt um 11:50:25 am 10.12.2008 PM | antworten

"Andere Kreise vermuten, dass Anlagen wieder in die USA repatriiert werden, "

 

85% aller Hedgefonds haben Dollar-Basis:  http://de.biz.yahoo.com/10122008/389/85-hedgefonds-usd-basis.html

 

Dann könnten doch Assets zu Dollars gemacht werden müssen, wenn die Kunden die Fondanteile verkaufen...

db1sb schreibt um 11:22:56 am 17.03.2009 PM | antworten

Fabian - Gib mir die Welt plus 5 Prozent

http://video.google.de/videoplay?docid=-2537804408218048195 

Ein netter Lehrfilm...

db1sb schreibt um 10:49:11 am 04.05.2009 PM | antworten
@ADMIN
Momentan bezahlt der Staat für sein Tagesgeld unter 0.35% Zinsen. Vermutlich mit ein Grund, weshalb einiges Geld wieder an die Börsen fließt, obwohl die Fundamentaldaten lausig sind.




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